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Der „Baum der Rede“

 

Baum der Rede

Im letzten Blogbeitrag ging es um meine eigene bewusste Wahrnehmung. Ich habe mich damit beschäftigt, dass unser Gehirn eine eigene Realität konstruiert, die mit der erlebten persönlichen Erfahrung zu tun hat. Heute möchte ich diesem Phänomen noch einmal näher auf den Grund gehen.

Das Bild oben stellt einen Denkansatz dar, wie das Gehirn arbeitet und wie das vorhandene erlebte Wissen an eine Person weitergegeben wird.

Ich möchte das mal mit einem Baum vergleichen.

Bäume kommunizieren über ihre Wurzeln. Die Blätter, Äste und Zweige repräsentieren das vorhandene Wissen und die persönlichen emotionalen Erfahrungen. Dieses Wissen soll über die Wurzeln zu einem anderen Baum transportiert werden und sich in diesem entfalten.

Bezeichnen wir den Denkansatz also bildlich als „Baum der Rede“.

Der Sender auf der linken Seite bin ich mit all meinen Erfahrungen, Gefühlen und Erinnerungen, die durch die Kügelchen repräsentiert werden, die sich in meinem Baum (Gehirn) befinden.

Wenn ich ein Kundengespräch habe oder einen Vortrag über Internetanwendungen halte, fasse ich diese Erfahrungen, Gefühle und Erinnerungen zusammen.

Bei diesem Prozess müssen zahlreiche Informationen aussortiert werden, weshalb es eine komplexe Aufgabe für das Gehirn darstellt. Die begrenzte Information wird in Worte gefasst und an die rechte Seite (Empfänger) transferiert. Dort sollte dann eine Entfaltung der Informationen stattfinden.

Dies passiert jedoch vielfach nicht, da Kunden häufig mit Internetanwendungen keine Erfahrungen, Gefühle und Erinnerungen verbinden können, da das Thema ja komplett neu ist. Die Entfaltung wäre jedoch unbedingt notwendig, um das Potenzial der neuen Ideen bewusst zu erfassen.

Lange bin ich einer (vom Unterbewusstsein gesteuerten) Illusion unterlegen. Ich habe geglaubt, dass Kunden verstehen, wovon ich ihnen berichte. In meiner bewussten Wahrnehmung waren meine Botschaften an den „rechten“ Baum ein durchaus verständliches Konstrukt. Diese Deutung ist ja auch durchaus zweckmäßig, denn ich persönlich war mit meiner Beratung (Wahrnehmungserlebnis) im Einklang. Das Problem war jedoch, dass der Kunde überwiegend Fragezeichen im Kopf hatte.

Natürlich könnte ich in solchen Fällen in Selbsttäuschung (Strategie des Unterbewusstseins) verfallen. Und das ist tatsächlich auch passiert.

  • Unsere Produkte sind super. Der Kunde versteht es nur nicht.
  • Wer es nicht versteht, der soll doch einfach alles beim Alten belassen.

Eine solche Selbsttäuschung ist allerdings alles andere als zielführend und lenkt von der notwendigen Veränderung meiner Kommunikation zum Kunden ab. Da ich mich permanent selbst reflektiere, frag ich meine Kunden immer auch, was ich verbessern könnte.

Die Fähigkeit zur objektiven Selbstbeobachtung stellt aus meiner Sicht keine Schwäche dar, denn sie setzt natürliches Selbstbewusstsein voraus und ist für Veränderungen unabdingbar.

Was muss ich also anders, was muss ich besser machen?

Woo Ttum Bittner von Adentics Berlin hat mir dazu einmal eine interessante Mail geschrieben, die ich hier gerne zitiere.

„Dein System ist klasse, sehr ausgeklügelt und sehr weit entwickelt. Ich vergleiche es mal mit dem neuen ICE4, der gerade von der Deutschen Bahn vorgestellt wurde. Du bist der ungeduldige Zugführer.

Was machst Du falsch? Nun, nicht viel. Aber Du rauschst mit emotionaler Hochgeschwindigkeit in den Bahnhof voller wartender (kritischer) Kieferorthopäden (die ja zumindest schon zum Bahnhof gekommen sind), öffnest kurz die Türen, forderst zum Einstieg auf, nimmst nur die Kollegen mit, die es schaffen, in dem kurzen Augenblick aufzuspringen und fährst dann schnell wieder weiter.

Diese Geschwindigkeit könnte viele Kollegen überfordern.

Vorsichtigen Kollegen, die Dich vor dem Einsteigen fragen, wohin die Reise geht, erklärst Du kurz, dass es nach KFO-Disneyland geht. Aber viele halten Disneyland für zu übertrieben und kommerziell. (Habe ich auch, bis ich mit meinen Kindern da war und deren Gesichter gesehen habe. Wow-Effekt :-)

Wenn Dich die Fahrgäste kritisch fragen, ob denn die Sitze auch bequem sind und warum das Ticket so teuer ist, dann verweist Du nur kurz auf den tollen megacoolen ICE, die neue Klimaanlage, die tolle Lackierung und dass Sie bitte Platz nehmen sollen nach dem Motto: Entweder Ihr fahrt jetzt mit oder Ihr lasst es bleiben, weil Ihr dann einfach nicht verstanden habt, wie toll der Zug ist.

Du, so ist mein Eindruck, fühlst Dich angegriffen von kritischen Fragen zu Deinem Zug, der für dich das schickste Gefährt auf deutschen Schienen ist (was iie auch ist ;-)), in dem Du bereits täglich fährst, wie bequem die Sitze sind und weil Du weißt, dass der Zug so viel mehr gekostet hat, als so ein blödes Ticket jemals wieder einspielen würde.

Das wissen aber die anderen nicht.“

Es ist immer wichtig, sein Handeln kritisch zu hinterfragen, das eigene Denken und die eigenen Standpunkte einer Überprüfung zu hinterziehen.

Mit diesem Wissen werde ich künftig meine Botschaften besser verpacken. Mein Ziel ist es dabei, im Baum der Kunden Assoziationen und ein Gefühl des Miterlebens zu schaffen.

Bei unseren Patienten in Lingen gelingt mir das sehr gut.

Im nächsten Blogbeitrag werde ich beschreiben, wie wir bei unseren Patienten Assoziationen und Gefühle auslösen.

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