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Wie entstehen Urteilsfehler? Und wie kann man sie vermeiden?

Wir alle sind gefangen in unserem Denken. Neues Denken zuzulassen ist nicht einfach.

Besonders fatal: Wir merken in der Regel selbst nicht, dass wir gegen unsere eigenen Interessen handeln.

Unser Handeln ist oftmals nicht rational, sondern vielmehr emotional geprägt. Dies zu akzeptieren fällt schwer, denn es widerspricht unserem eigenen Erleben.

Aufgrund meiner Kontakte zu zahlreichen Kolleginnen und Kollegen, die mich in unserer Praxis in Lingen besuchen, habe ich viele interessante Beobachtungen machen können.

Alle Besucher haben die Chance, unsere Praxisabläufe aus der Sicht eines Außenstehenden zu beobachten.

In der Organisation, der Patientenberatung und der Patientenkommunikation beschreiten wir ganz neue Wege.

Dies entspricht allerdings so gar nicht den persönlichen Erfahrungen und Routinen meiner Besucher und unterscheidet sich gravierend vom Vorgehen in der eigenen Praxis.

Der Tag ist daher für die allermeisten Kollegen extrem anstrengend. Er bringt aber auch neue und wertvolle Erkenntnisse.

  • Neues Denken beschleunigt Prozesse und Spart wertvolle Zeit.
  • Eine abgestimmte neue Verbindung zum Patienten verschafft einen riesigen Wettbewerbsvorteil.

Damit wir neues Denken zulassen muss jedoch eine Veränderung im Gehirn stattfinden. Das ist sehr spannend.

  • Welche Mechanismen laufen in unserem Gehirn ab?
  • Was bewegt Kollegen im Entscheidungsprozess, die Anwendungen von iie-systems in ihren Praxisalltag zu integrieren?

Das sind zwei der Fragen, die ich mir in der Vergangenheit häufig gestellt habe. Und ich glaube, eine Antwort gefunden zu haben.

Das Wissen über die ablaufenden Mechanismen erlaubt es uns, unsere Perspektive auf unser persönliches Handeln in der eigenen Praxis zu überdenken. Wir erhalten darüber die bedeutende Chance, Fehler in unserem bisherigen Denken zu beobachten und unser eigenes Verhalten besser nachvollziehen und verstehen zu können.

Das Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ des Nobelpreisträgers Daniel Kahnemann hat mir wichtige Denkanstöße gegeben, und ich kann die Lektüre nur jedem empfehlen.

Kahnemann beschreibt in seinem Werk zwei Systeme, nämlich das System 1 und das System 2. Sie dienen dem Autor als Grundelemente einer hochinteressanten Urteils- und Entscheidungstheorie. Die Systeme sind nicht real und repräsentieren keine Bereiche im Gehirn. Sie reduzieren jedoch die Komplexität und dienen dem besseren Verständnis.

System 1 arbeitet automatisch und schnell, weitgehend mühelos und ohne willentliche Steuerung. Es ist unsere Assoziationsmaschine, die unsere Wirklichkeit repräsentiert. Diese entsteht durch unsere gemachten Erfahrungen, die zu Verknüpfungen im Gehirn führen. All dies geschieht ohne bewusste Wahrnehmung, quasi im Stillen unseres Geistes.

System 1 konstruiert damit fortlaufend eine schlüssige Interpretation darüber, was zu jedem beliebigen Zeitpunkt in unserer Welt passiert. Es bestimmt unsere Auslegung der Gegenwart sowie die bestmögliche Auslegung zukünftiger Ereignisse. Auf diese Weise entstehen auch Glaubenssätze.

Der größte Teil unseres Denkens vollzieht sich lautlos unterhalb der Bewusstseinsschwelle. Wir realisieren also nicht, dass uns das „U-Boot“ nach vorne zieht. Wir erleben den Wind und setzen die Segel. So glauben wir, selbst der Akteur zu sein und das Geschehen zu bestimmen.

„Wir wissen viel weniger über uns selbst, als wir zu wissen glauben.“
(Daniel Kahnemann)

Bewusste Zweifel zählen nicht zum Repertoire von System 1. Es sucht vielmehr eher nach Hinweisen, die mit den gegenwärtigen Überzeugungen, mit dem gegenwärtigen Weltbild übereinstimmen. System 1 arbeitet sehr ökonomisch und folgt den Gesetzen der geringsten Abweichung.

Die gewohnten Abläufe in der Praxis haben sich bewährt (= System 1) und geben uns eine scheinbare Sicherheit. Somit müssen wir keine kognitiven Anstrengungen unternehmen.

Allerdings führt dies manchmal zu gefährlichen Urteilsfehlern im System. Man ist von sich und seinem handeln zu sehr überzeugt, ist sich aber nicht bewusst, dass dieses Handeln nicht angebracht ist.

In solchen Fällen hilft oftmals nur der kritische Blick von außen. Für mögliche Fehler im eigenen Denken ist man meist blind. Die Fehler anderer erkennt man leichter als die, die man selbst macht.

Genau hier liegen die Chancen für Anwender von iie-systems. Wir ermöglichen einen ganz neuen Blick auf die Gestaltung von Patientenbeziehungen und bieten innerhalb der Anwendergruppe einen hilfreichen Erfahrungsaustausch. Für die eigene Praxisentwicklung und neues Denken ist dies ungeheuer wertvoll.

Kolleginnen und Kollegen, die uns in Lingen besuchen, sind überrascht, was durch ein abgestimmtes und leistungsstarkes Termin- und Beratungssystem heute alles möglich ist.

Das Team von iie-systems gibt neue Denkimpulse und unterstützt seine Anwender umfangreich. Allerdings stimmt das Denken mit dem gewohnten Denken in System 1 wie erwähnt nicht überein. Das macht es nicht immer einfach.

Um Fehler zu identifizieren und zu bearbeiten, benötigen wir unser langsameres System 2. Darauf möchte ich in meinem nächsten Blog-Artikel ein wenig näher eingehen.

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