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Leistungsstarke Praxis (Teil 23):
Die Patientenperspektive einzunehmen ist etwas, was man im Studium nicht lernt. – Eindrücke von ZÄ Juliana Schell

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Im Dezember letzten Jahres habe ich mein zahnmedizinisches Studium abgeschlossen und arbeite seit März 2016 als Vorbereitungsassistentin in einer Kölner Praxis. Mitte Oktober habe ich zwei interessante Tage in der Praxis Dr. Visse & Theising in Lingen verbracht. Ich hatte viel davon gehört und wollte mir einen Überblick darüber verschaffen, wie hier moderne Patientenkommunikation durchgeführt wird und ob ich in diesem Bereich noch etwas lernen kann. Die Antwort gleich vorweg: Ich habe unglaublich viel erfahren, was mir die Augen für eine ganz neue Sichtweise geöffnet hat.

Im Studium lernt man alles über Zähne und die verschiedenen Therapien. In den einzelnen Kursen geht es darum, eine bestimmte Anzahl von Füllungen, Kronen, Wurzelbehandlungen etc. zu machen. Was man jedoch nicht lernt, ist der sensible Umgang mit Patienten. Natürlich werden wir darin ausgebildet, wie man den Patienten über eine Zahnerkrankung wie Karies oder über eine Fehlstellung aufklärt und wie man ihm die entsprechende Behandlung erläutert. Aber ist das wirklich das, was den Patienten interessiert?

Bislang dachte ich, ich könne mich eigentlich ganz gut in den Patienten hineinversetzen und würde seine Perspektive und seine Bedürfnisse verstehen. Nach meinen Erfahrungen in der Praxis Dr. Visse & Theising muss ich meine Meinung komplett revidieren.

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In Bezug auf den Umgang und die Kommunikation mit Patienten habe ich einen totalen Aha-Effekt gehabt. Als stiller Beobachter bei der Beratung konnte ich sehen, wie die Patienten reagieren, wenn man ihnen anhand der Bilddatenbank smiledesign Vorher-Nachher-Fotos zeigt und ihnen bewusstmacht, was man mit der Behandlung erreichen kann. Man sieht wirklich, wie sich der Gesichtsausdruck ändert und wie es im Grunde „Klick“ macht. Ich habe mich zuvor nie auf die Mimik eines Patienten konzentriert. Das ist aber wichtig um zu erkennen, wie er sich fühlt und was ihn bewegt.

Als Behandler sieht man beispielsweise die Zahnfehlstellung eines Patienten, spult gedanklich die Behandlungsoptionen ab und erklärt ihm, welche Methoden man anwenden wird. So hat man das im Studium ja auch gelernt. Nach den zwei Tagen in der Lingener Praxis weiß ich heute, dass der Patient das in der Regel gar nicht versteht und es ihn auch nicht wirklich interessiert. Viel wichtiger ist es, als Behandler die Patientenperspektive einzunehmen. Also welche Wünsche und Bedürfnisse hat er, wie sind diese entstanden und was sind die eigentlichen Gründe für seinen Wunsch nach schönen Zähnen?

In Lingen konnte ich mir auch einen Eindruck über die weitere Patientenkommunikation verschaffen, die über das Internet geht. Ob Anamnesebogen, Templates zur Aufklärung oder digitale Unterschrift: Das ist einfach total innovativ und im Endeffekt viel einfacher und für den Patienten perfekt nachzuvollziehen. Und im Grunde ja auch eine logische Konsequenz unseres digitalen Zeitalters, in dem sogar meine Oma ein Smartphone hat.

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Ich habe aus Lingen einen Anspruch für meine weitere berufliche Laufbahn mitgenommen. Ich möchte mich in meine Patienten hineinversetzen können, wissen was sie fühlen, ihnen ihre Ängste und Zweifel nehmen. Damit möchte ich sie überzeugen und nicht, indem ich ihnen Therapiemethoden erkläre und Zahnmodelle mit Brackets zeige.

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